Das Blut von Magenza

Claudia Platz Das Blut von Magenza

Claudia Platz
„Das Blut von Magenza“
ISBN978-3-942291-09-5
621 Seiten, 14,90 Euro
Leinpfadverlag,
55128 Ingelheim

 

Unruhige Zeiten am Ende des 11. Jahrhunderts . Dem Aufruf zum Ersten Kreuzzug durch Papst Urban II. folgen viele Gläubige. "Deus lo vult" wird zu ihrem Schlachtruf und wenig später ziehen erste Vortruppen von Frankreich kommend Richtung Osten. Dabei hinterlassen sie eine Spur der Verwüstung und verschonen auch größere Gemeinden und die Städte des Rheinlandes nicht. Noch ist in Mainz, der blühenden Handelsmetropole am Rhein, alles ruhig. Da wird der Benediktinermönch Anselm in einer Wormser Herberge ermordet. Hanno, ein erzbischöflicher Agent, verfolgt die Spur des Mörders über Worms bis nach Speyer, wo er auf ein Geheimnis stößt, das ihn wieder zurück in seine Heimatstadt bringt. Bevor er es lüften kann, belagert ein Pilgerheer unter der Führung Emichs von Flonheim Mainz und verlangt die Herausgabe der jüdischen Gemeinde Magenzas. Erzbischof Ruthard will sie durch Verhandlungen retten, doch nicht alle teilen seine Meinung und bald ist nichts mehr wie es war... Das Blut von Magenza basiert teilweise auf historischen Fakten und zeichnet ein lebendiges Bild des mittelalterlichen Mainz mitsamt ihrem Erzbischof, dem Stadtgrafen, gottesfürchtigen Kirchenmännern, mehr oder minder ehrenwerten Bürgern, ränkeschmiedenden Frauen sowie undurchsichtigen Halunken.




Reaktionen

  Allgemeine Zeitung Mainz
Mainzer Allgemeine Zeitung
Rhein Main Presse Mainzer Zeitung 12.03.2012

Artikel von Gerd Blase, Mainzer Rheinzeitung, 18. Februar 2012

Ein Krieg im Namen Gottes
Mainz/Magenza
Am 27. November 1095 ruft Papst Urban II. zum Ersten Kreuzzug auf. Den Teilnehmern verspricht er die Vergebung aller Sünden. "Deus lo vult!", ruft er ihnen entgegen: "Gott will es!" Am 27. Mai 1096 fallen Kreuzfahrer über die jüdische Gemeinde in Mainz her. Sie metzeln Männer, Frauen und Kinder nieder. "Deus lo vult!", heißt es auch hier.
"Es ist erschreckend, dass sich seitdem so wenig geändert hat", meint Claudia Platz. "Wir führen immer noch Kriege im Namen Gottes. Nur die Waffen und die Telekommunikation sind seitdem moderner geworden."
In ihrem neuen Roman "Das Blut von Magenza" blickt die rheinhessische Autorin zurück in eine Zeit, da die jüdischen Gemeinden von Schpira (Speyer), Uarmaisa (Worms) und Magenza (Mainz) als Zentren des aschkenasischen Judentums galten. Unter dem Kürzel SchUM waren sie berühmt. Die Kreuzzügler aber brachten sie an den Rand des Abgrunds.
"Ich war manchmal nicht sicher, ob dieses Buch überhaupt geschrieben werden sollte", sagt Platz beim Gespräch in einem Café am Fuß des Mainzer Doms. Das Gotteshaus ist eines der Zentren ihres Romans: In der Dombauhütte arbeitet Steinmetz Widukind im Jahr 1095 an einem Meisterstück, und der mächtige Erzbischof Ruthard macht sich Sorgen angesichts des Aufrufs zum Kreuzzug.
"Das, was jetzt erschienen ist, ist die dritte Version", erzählt die Autorin. Mal begann der Roman in der Gegenwart mit der Grundsteinlegung zur neuen Mainzer Synagoge, mal beschrieb Platz die Geschehnisse aus der Sicht eines einzelnen Mönchs. Dann aber entschied sie sich für einen ganzen Reigen von Figuren, die die Ereignisse in Magenza in verschiedensten Positionen erleben. Da ist etwa die Jüdin Sara, die Geld verleiht an christliche Frauen, deren Familien in Not geraten sind. Oder Hanno, der im Dienst der Kirche versucht, den Mord an einem Benediktiner aufzuklären. Oder die undurchsichtige Griseldis, die dem wichtigsten Mann der Stadt den Kopf verdreht.
Dreieinhalb Jahre hat Platz mit dem Stoff gerungen. "Allerdings mit großen Pausen", gibt sie zu. "Ich musste viel recherchieren, unter anderem habe ich hebräische Schriften zu den Kreuzzügen rausgesucht. Davon gibt es zum Glück Übersetzungen." Zudem holte sie sich Hilfe von Fachleuten, darunter ein Professor der Judaistik. Das wirkt sich aus auf den Roman: Die Autorin beschreibt ärztliche Praktiken unter Juden und Christen, die Weinherstellung, Speisenfolgen beim Festmahl und allerlei andere Details, die sich in den Geschichtsbüchern kaum finden. "Bediente man sich in einer Schenke selbst, oder wurde bedient? Gab es da was zu essen?" Solche Alltäglichkeiten galt es zu klären.
Auf gut 600 Seiten nähert sich Platz der großen Katastrophe. "Dabei fragte ich mich immer wieder: Schaffe ich diesen Spagat? Ich wollte einfühlsam schreiben, ohne zu sehr auf der Betroffenheitsschiene zu fahren." Das ist ihr gelungen. Sie verwebt eine Vielzahl von Figuren zu einem Netz, das erzählerisch trägt. Ihre Protagonisten sine keine außergewöhnlichen Helden, keine kauzigen Originale. Es sind eher durchschnittliche Typen, auch wenn sie mal gern die Grenzen des mittelalterlichen Lebens austesten: Widukind entscheidet sich trotz adliger Herkunft für den Steinmetzberuf, und Hanno steigt wegen seiner Talente vom Gaukler zum kirchlichen Agenten auf.
Jenseits davon wirkt es wohltuend, dass Platz einige Themen meidet, an denen historische Romane kranken. Sie findet sich die herzzerreißende Leibesgeschichte eher am Rande. "Das liegt mir nicht so. Ich wollte keine Hedwig-Courths-Mahler auf historisch sein, auch wenn sich das gut verkauft. Außerdem kann ich mich nicht an ausführlichen Beschreibungen von Grausamkeiten ergötzen."
Dafür gerieten ein paar Kriminalelemente in "Das Blut von Magenza", denn mit Krimis hat Platz 2001 begonnen, bevor sie sich vor vier Jahren mit "Die falschen Caesaren" erstmals in historische Gefilde wagte. Platz erholt sich nun erst mal. Sie sitzt an einem Krimi. "Ich will einfach wieder einen Text runterschreiben können." Und wer weiß, vielleicht geht es danach wieder in die Vergangenheit. Die Belagerungszeit von Mainz, die Stadt der Revolution würde sie reizen.



Allgemeine Zeitung Mainz
Mainzer Allgemeine Zeitung
Rhein Main Presse Mainzer Zeitung 08.02.2012


Meine Bücher:
Das Blut von Magenza  Der Lubberer  RosenmonTod  Der Korridor  Der zweite Blick  Die falschen Caesaren


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